Meine ideale Kletterwelt

Wie würde meine ideale Kletterwelt ausschauen? Ganz einfach, da sind die Berge und die Felsen und da ist der unwiderstehliche Drang, ins Unbekannte zu klettern. Die Auseinandersetzung mit der Wand ist im Grunde genommen eine Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den eigenen Grenzen, Zweifeln und Ängsten auf der einen Seite, und mit den eigenen Tugenden, wie Mut, Entschlossenheit und unbeugsamer Absicht auf der anderen. Sieger über die eigenen Schwächen zu sein ist das Erstrebenswerteste, das man sich vorstellen kann.

Wir haben unsere Kletterwelt mit Worten und Etiketten entzaubert und dabei unser Gefühl für das Wunderbare verloren. Flüchtige Opportunisten des Augenblicks sind die Meinungsbildner einer Generation, die Träume mit der Realität des "höher, schneller, weiter" ersetzt hat. Der heutige Kletterer gerät immer mehr in einen Kreislauf, in den er von Aussen getrieben wird und nicht aus seinem Inneren. Der heutige Kletterer ist kein Individualist, sondern Teil der Herde.

Kollektiv konditionierte Denkweise führt nirgendwo hin, Erneuerung kommt immer von Freigeistern, aus dem kletternden Underground, von Randgruppen, die für Medien, Sponsoren und andere Wichtigtuer nicht existieren und daher auch nicht von ihnen beeinflussbar sind. Es scheint, als ob man das Klettern vom kommerziellen Nutzen trennen müsste, damit es wieder authentisch und cool werden kann...  oberflächliche Poser sollten ignoriert werden!

Die Berge und Felsen sind immer noch da, sie haben sich nicht geändert. Nur unsere Perspektive hat sich geändert, weil wir eine Art “gentechnisch” verändertes Klettern betreiben. In einer Zeit, wo die meisten nur noch einen fremdbestimmten Lifestyle haben, wäre eine von individueller Freiheit geprägte Gegenkultur genauso notwendig wie in den siebziger Jahren, als einige von der Hippie-Bewegung inspirierte Aussenseiter Farbe ins Einheitsgrau eines antiquierten und selbstzufriedenen Alpinismus brachten.

 

Climbing is freedom

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